Publikation des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Controlling im European Accounting Review (VHB A)

Im European Accounting Review (VHB A, 5-year Impact Factor 4,3) ist die empirische Studie mit dem Titel „Capabilities-related disclosures and investors’ recognition of organisational resilience – an automated textual analysis of 10-K filings“ erschienen. Das Autorenteam des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Controlling am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) – Dr. Christof Neunsinger (Siemens AG, ehem. Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand des Lehrstuhls), Lena Reimann (Schaeffler AG, ehem. Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin des Lehrstuhls) und Prof. Dr. Thomas M. Fischer (Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Controlling) – untersuchte, wie freiwillige Publizitätsangaben zu Kernfähigkeiten von Unternehmen mit unterschiedlichen Kapitalmarktindikatoren der organisationalen Resilienz zusammenhängen.

Wirtschaftliche Krisen und Unsicherheiten im unternehmerischen Umfeld haben das Augenmerk des Top-Managements verstärkt auf die organisationale Resilienz gelenkt. Dieses Konzept beschreibt, wie Unternehmen widrige Ereignisse in ihrem Geschäftsumfeld auffangen und wie schnell sie sich davon erholen können. Um die organisationale Resilienz zu verbessern, benötigen Unternehmen bestimmte Kernfähigkeiten, d.h. operative Kernfähigkeiten zur Freisetzung finanzieller Ressourcen und dynamische Kernfähigkeiten zur Förderung von Lernprozessen und Innovationen. Diese Kernfähigkeiten stabilisieren einerseits die bestehenden Geschäftsabläufe und können andererseits Prozesse so verändern, damit sich ein Unternehmen nach Änderungen in seinem Umfeld daran anpassen und weiterhin erfolgreich tätig sein kann.

Basierend auf einer Stichprobe von 1.020 börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen zeigen die Autoren auf, dass freiwillige Publizitätsangaben zu den Kernfähigkeiten von Unternehmen mit Veränderungen von Kapitalmarktindikatoren der organisationalen Resilienz zusammenhängen. Konkret bestimmen die Autoren hierfür das Absorptionsniveau eines Unternehmens anhand der Höhe des unmittelbaren Rückgangs des Aktienkurses zu Beginn einer Krise (t1), das Anpassungsniveau anhand der Erholungsgeschwindigkeit des Aktienkurses inmitten einer Krise (t2) und das Transformationsniveau anhand des relativen Anstiegs des Aktienkurses gegenüber seinem Vorkrisenniveau im weiteren Verlauf einer Krise (t3).

Die empirischen Befunde unterstreichen, dass am Beginn einer Krise (t1) die freiwilligen Publizitätsangaben zum finanziellen Spielraum eines Unternehmens den Rückgang des Aktienkurses erheblich abmildern (Absorption), während mittelfristig (t2) freiwillige Publizitätsangaben zum finanziellen Spielraum sowie zu Lern- und Innovationsfähigkeiten bei mehr als 85% der Unternehmen die Erholung des Aktienkurses beschleunigen (Anpassung). Langfristig (t3) sind freiwillige Publizitätsangaben zu Innovationsfähigkeiten bei ca. 96% der Unternehmen mit einem Anstieg des Aktienkurses verbunden (Transformation).

Aus Sicht der Unternehmenspraxis unterstreichen diese empirischen Befunde, dass glaubwürdige Signale zur Freisetzung finanzieller Ressourcen sowie zu verbesserten Lern- und Innovationsfähigkeiten in Unternehmen dazu beitragen, dass Investoren diese Informationen verwenden und damit die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen besser einschätzen können. Aus Sicht der Unternehmen ergeben sich daraus langfristig stabilere Beziehungen zu vorhandenen Anlegern und Potenziale für den Zugang zu neuem Kapital auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Zugleich liefern die Ergebnisse der Studie wichtige Impulse für Gesetzgeber und Standardsetzer, durch weitere narrative Publizitätselemente die Entscheidungsnützlichkeit von Unternehmensinformationen für die Kapitalmarktteilnehmer kontinuierlich zu verbessern.

Die vollständige Studie ist im European Accounting Review unter dem nachstehenden Link abrufbar:

Neunsinger, C., Reimann, L., & Fischer, T. M. (2026). Capabilities-related disclosures and investors’ recognition of organisational resilience – an automated textual analysis of 10-K filings. European Accounting Review, 1–32. https://doi.org/10.1080/09638180.2025.2606678